"Woran erkenne ich eine Zeitenwende?"
Zeitenwende?
Zur
ökonomischen Standortbestimmung. Gibt es keine ZW, kann man weiter machen wie
bisher. Zeichnet sich eine ab, muss man sein Verhalten ändern, um ökonomisch
zu bestehen.
Dabei
gilt Ablauf-Muster:
Vorzeit
– Wende – Nachzeit. Die
Wende ist der kritische Punkt (griechisch „kriein“ = scheiden) und ist gewöhnlich
mit einer allgemeinen Krise verbunden.
Das
wichtigste Kennzeichen dieser Krise ist die Orientierungslosigkeit.
Dazu
José Ortega y Gasset (1942
gedruckt):
„Wie
der Mensch von einem Glauben zum anderen hinüberwechseln kann und in welcher
Lage er sich während des Übergangs befindet, wenn er zwischen zwei
Glaubensgewissheiten steht, ohne sich in irgendeiner zu Hause zu fühlen
– (dann befindet er sich) nämlich in einer wesenhaften Krise.“
„In
den Zeiten der Krise weiß man nicht recht, was der einzelne Mensch ist, weil er
in der Tat nichts richtig ist: heute ist er das und morgen jenes. Stellen
Sie sich jemand vor, der im Freien vollkommen die Orientierung verloren hat: er
macht ein paar Schritte in einer Richtung, dann wieder einige in einer anderen,
vielleicht in der entgegen gesetzten ... der Mensch hört auf an das System
der Welt zu glauben, an das er bisher geglaubt hat.“
Definition
der ZW:
Plötzliche
oder allmähliche Veränderung aller gesellschaftlichen relevanten Parameter.
Diese Veränderung führt zu einem neuen Welt- und Selbstverständnis der
Menschen. Ihre nachfolgenden Aktionen und Reaktion fallen anders aus als vorher.
Parameter:
Darunter
werden wir vor allem die jeweilige Eigentumsordnung
und die Frage, ob und wie Eigentum gemehrt oder gemindert wird sowie die daraus
abgeleiteten Funktionen wie Kredit (besicherter Kredit), Geld und Zins
verstehen.
Welt- und Selbstverständnis:
Darunter
fallen u.a. Selbstbewusstsein, Karriere, Familie, Nachbarschaft, soziale
Bindung, Gesetze, Staatsform, Prosperität und Abschwung, Inflation/Deflation,
Zuversicht, Zukunftsangst, religiöse Bindung.
Die
Veränderung der Parameter kann von außen
induziert sein (outside shock) oder sich aus internen Abläufen mit Zwangscharakter ergeben (internal
revulsion).
Beispiel
können nur aus der Geschichte genommen werden (das „Geschichtetes“). Warum?
Ortega:
„Der
Mensch hat keine andere Möglichkeit, sich in der Zukunft zu orientieren,
als zu untersuchen, was in der Vergangenheit war.“
„Der
Mensch befasst sich mit der Geschichte, weil er angesichts der Zukunft, die
nicht in seiner Hand ist, merkt, dass das einzige, was er besitzt, seine
Vergangenheit ist. Sie allein kann er fassen; sie ist das Schiffchen, in dem
er die Reise nach der unruhigeren Zukunft unternimmt.“
Beispiele
outside shock:
*
Die große Pest Mitte des 14. Jh. Mit
vor allem der Folge, dass die Bevölkerung dramatisch zurückging.
Dies hatte gewaltige ökonomische Konsequenzen. Abbruch von
eigentumsschaffenden Maßnahmen (siehe Siena), weniger zur Kontraktverschuldung
gezwungene Wirtschaftssubjekte bzw. verschuldungsbereite.
Am
Ende stand eine Asset-Deflation bei einer Ready-at-hand-Commodities-Inflation
– ein extrem seltener Mix.
*
Übergang von privatem Eigentum in Staatshand,
siehe Oktoberrevolution und ihre Folgen.
Am
Ende stand eine nicht mehr durch Schuldendruck vorangetriebene Wirtschaft, die
der real existierenden Konkurrenz (westlicher Kapitalismus) nicht mehr gewachsen
war.
Beispiele
internal revulsion:
Schaffung
von Eigentum beim Übergang von Stammes- zu Privateigentümergesellschaften,
z.B. beim „Auszug aus Ägypten“.
Abgang
vom Goldstandard im August 1914. Mit
den hier bereits allseits und nur allzu bekannten Folgen-Mix bis hin zur
Weltwirtschaftskrise.
Aktuell
die Vernichtung von Eigentum durch das Internet.
Allerdings
gibt es auch weltgeschichtliche Konstanten, jedenfalls, was den Menschen
anbetrifft.
Der
Mensch lebt in den Kategorien von Raum
und Zeit. Dabei ist zu unterscheiden: Der Raum war nicht immer „unbegrenzt“, die Zeit war immer begrenzt. Die Begrenzung des Raumes
(Siedlungsgebiete) wurde erst im 19. Jh. endgültig erreicht. Kolonien,
Homestead-Programme, Landnahme (z.B. in Russland, Familie Trotzky) als
Beispiele.
Zum
begrenzten Raum gehört das Eigentum (Indianer vs. Roma quadrata) und zur Zeit
der Zins (abdiskontierte Zukunft).
Dabei geht das Eigentum vor, da der Zins sich erst in begrenztem Raum darstellen
lässt (Ich muss mir etwas zum Essen leihen oder: Ich ziehe einfach weiter, um
etwas zum Essen zu finden).
Die
Theorie Eigentum-Zins-Geld von Heinsohn & Steiger entwickelt.
Diese
Theorie ist revolutionär, da sie:
1.
Zum ersten Mal das EIGENTUM
als wirtschaftlich relevante Größe an den Beginn ökonomischer Analyse stellt.
Bisher geht die Ökonomie von dem Modell aus, es gäbe „Produktionsfaktoren“
(Grund und Boden, Arbeit, Kapital), die sich irgendwie optimal mischen müssen,
um die Wirtschaft in Gang zu setzen („take-off“-Theorie von Rostow
u.a.). Kritik: Grund und Boden müssen mit Eigentum verbunden sein,
dieses wiederum ist nur Eigentum,
wenn es frei verfügbar ist (Kauf, Verkauf, vor allem: Beleihung!). Bei der Arbeit wird verschwiegen, wo sie herkommt (Problem der Entstehung
des „freien“ Lohnarbeiters, siehe Lollarden und Wat Tyler vs. Bauernkrieg in
Deutschland). Auch wird das Eigentum an
der Arbeitskraft nicht explizit dargestellt (Sklave, freier Mann). Schließlich
erscheint das Kapital ganz rätselhaft
und plötzlich – wie von Gott gegeben - auf der Bühne (und wird gern aus
„früherem“ Kapital abgeleitet, also das frühindustrielle maschinelle
Kapital aus dem grundherrlichen, usw., siehe Marx & Engels).
2.
Zum ersten Mal wird GELD nicht
als Tausch- oder gar Schmiermittel der Ökonomie dargestellt, sondern aus
verschuldetem Eigentum abgeleitet, wobei die „Deckung“ des Geldes sich aus
der Tatsache ergibt, dass der Inhaber des Geldes, wenn es denn stoffwertlos ist,
sich zur Not immer an eine Sache halten
kann, die er a priori kennt (Grund und Boden, aber auch Gold, das in Tempeln
als Giralsammelstellen verfügbar ist). Die bisherige Ökonomie setzt Geld immer
als „irgendwie vorhanden“ voraus.
Kritik: Sie kann stoffwerthaltiges Geld (Gold und Silber) in seiner Entstehung
nicht erklären (industrielle Produktion, aber wer finanziert vor?) und sie
kommt daher nicht zu einer intelligenten Beantwortung der Frage, wie denn wohl zusätzliches Geld in die Wirtschaft kommt. Dazu wird dann immer
gesagt, die Notenbanken erhöhen die „Geldmenge“ (Suggestion: wie eine
Fabrik den Output erhöht), sie „steuert“ die „Menge“ souverän und
optimal.
3.
Der ZINS wird folglich zum
ersten Mal nicht als „Preis“ für Geld und/oder Kapital bezeichnet, also
für etwas bereits Vorhandenes in der Sphäre der Sachen, sondern es ergibt
sich aus der Schaffung von GELD aus der Sphäre des EIGENTUMS heraus, und zwar
aus dem immateriellen Recht am
Eigentum, d.h. aus dem Phänomen des verschuldeten EIGENTUMS, wobei diese
Transformation ein immaterielles Gut darstellt („Eigentumsprämie“), das zu
Kredit- bzw. Verschuldungsakten führt und insofern das Schuldrecht
berührt und nicht mehr die Welt der Gegenstände als solche. Der
ZINS ist also ein immaterieller Anspruch – auch wenn er sich auf
Materielles beziehen kann. Im Laufe der Geschichte wurden diese immateriellen
Ansprüche nicht nur für Kauf- und Verkaufsakte in der realen Güterwelt
gehandelt, sondern auch für die immateriellen Ansprüche selbst. Dieser
ZINS ist also ein immaterieller Anspruch auf einen immateriellen Anspruch –
sozusagen die zweite Ableitung des Phänomens GELD. Auch der Handel mit diesen
immateriellen Ansprüchen (z.B. Kauf von bereits existenten, mit einem festen
und klar definierten Zinsversprechen ausgestatteten Titeln wie Anleihen) ist niemals
mit „vorhandenem“ GELD möglich. Denn dieses ist bereits wegen der
doppelten Verbuchung „verdisponiert“, was dieses Beispiel unschwer klärt:
1.
Stufe: Fabrikant stellt Waren her. Diese muss er (Löhne usw.)
vorfinanzieren. Dazu stellt er einen Wechsel aus (doppelte Sicherheit!). Wechsel
wird von einer Zentralbank rediskontiert und just in die
Kaufkraft („Banknoten“) verwandelt, die der Fabrikant braucht, um
seine Produktion komplett zu vermarkten. Fabrikant
hat alle Waren, aber kein Geld mehr.
2.
Stufe: Fabrikant ist alle Waren
los (das Problem der Zinsen bzw. Gewinne, die ihrerseits mit Hilfe zusätzlicher,
zeitlich späterer, da auch der „Eingang“ des Gewinns ein zeitlich späterer
Erwartungswert ist) Nettoneuverschuldung in die Welt kommen müsste, lassen wir
hier Mal weg) und hat alles Geld zurück.
Das gibt er an die Zentralbank weiter. Damit sind erloschen: Waren (weg zum Konsumenten und verbraucht), Geld (zurück zur
Zentralbank und dort vernichtet) und der Wechsel.
3.
Stufe ist dann wieder wie 1. Stufe.
Um
jetzt bereits emittierte Titel zu kaufen, müsste der Fabrikant sich zusätzlich
verschulden (in ähnlicher Manier, er reicht statt eines Wechsels zum Diskont
dann eben die Titel zum Lombard ein).
Oder er nimmt das Geld, das er aus dem Wechsel bekommen hat und kauft die Titel,
was aber nur geht, wenn entweder die Lohnbezieher warten oder die Zentralbank.
Dieses Warten würde zusätzliche
Zinsen kosten (Arbeiter müssen ihrerseits ihren Lebensunterhalt vorfinanzieren)
oder es gibt einen Zusatzzins seitens der ZB – falls diese so etwas überhaupt
mit sich machen lässt.
Alle Ideologien der Weltgeschichte sind entweder gegen das Eigentum oder gegen den Zins gerichtet. Daher sind alle Zeitenwenden diesen Ideologien bzw. ihrer Durchsetzung zuordenbar.
Eigentum:
Kain und Abel; Plato; Thomas Müntzer; Thomas Morus; Wiedertäuferreich; Babeuf;
Robert Owen; Amana; Marx und der moderne Sozialismus ex der Theorie vom
Obereigentum des Staates.
Zins:
Hammurabi; Moses; mittelalterliches Zinsverbot; Luther; Brechung der
Zinsknechtschaft; moderne Kapitalismus-Kritik (gg. den Aufschuldungswahn).
Beides:
Silvio Gesell (Freiland und Freigeld).
Es
git aber auch durchgehende Topoi, z.B. das Phänomen „Wohlstand“ bzw.
„Geldhaltung“. Der Gott des Kapitalismus, der nur bei Eigentum plus Zins
denkbar ist, heißt MERKUR.
Folie:
Merkur through the ages von frühen „Flügelwesen“ bis hin zum Symbol der
Hannover-Messe. Ausstellung!
Das Erkennen von Zeitenwenden ist schwierig und geht am einfachsten bei outside shocks.
Einer
der wichtigsten war die Entstehung des Eigentums im Gefolge katastrophischer
Ereignisse, die zu einer Verknappung
des verfügbaren Lebensraumes führten.
Katastrophismus
erklärt a) die frühe Geschichte (inkl. z.B. „Zeitgefühl“, Zeit läuft
nicht mehr in Kreisen, siehe Kohelet,
sondern in einer Linie, Teleologie, rätselhafte Ereignisse, wie die Sonne ging
im Westen auf, stand am Himmel still) und b) eine bis heute andauernde Traumatisierung
(Opferrituale zur Verhinderung von Wiederholungen, Gottesvorstellung, vor allem
der Switch von Eli zu Yahwe, Drachenmythos und Drachenkampfmythos,
Wiederholungszwang von Kreuzzügen bis Hexenverbrennung und zum Holocaust =
Ganzbrandopfer).
Es
können auch kleinere Katastrophen gewesen sein (Vulkanausbrüche, Große
Fluten). Jedenfalls kommt es zur Erstaufteilung
der noch vorhandenen Gebiete und auch zur Sehnsucht nach neuen Gebieten
(„Gelobtes Land“). Dies nicht nur bei den Juden,
sondern auch bei den Mexicas, usw.
Daher allgemeine Aufbruchstimmung bis heute zu spüren. Last frontier bis hin zum Testen, wo die ultimativen Grenzen liegen
(Nanotechnologie, Gentechnik, Kloning, Extremsport mit immer weiter abnehmenden
Leistungszuwächsen).
These:
Beim Erreichen der last frontiers kommt es zu einer Zeitenwende ähnlich wie vor
ca. 3000 Jahren. Damals entstand Eigentum als ein immaterielles Recht an einer
materiellen Sache. Heute wird es vermutlich umgekehrt
sein: Auflösung des Eigentum-Phänomens, was schon beim Verschwinden der
immateriellen Rechte im Web zu studieren ist (Copyright).
Hier
kurz einige Gedanken zur Parallele Gutenberg-Internet.
Gutenberg
(dessen Erfindung übrigens nicht die Druckerpresse, sondern das Handgießinstrument
war) versuchte sich an die große Bücherhausse des 15. Jh. zu hängen
(Florentiner Sammler). Er übersah den stark deflationären Effekt seines Treibens, kalkulierte obendrein
mangelhaft und ging Bankrott. Ähnlich erging es den meisten anderen frühen
Druckern (Schweynheim & Pangratz in Rom forderten vom Papst sogar
Subventionen), und zwar den Druckern, die nur Text verarbeiteten.
Auch
der Hinweis, dies habe der „magister Adam“ usw. fabriziert, half mitnichten
(auch spurlos in Venedig verschwunden). Denn die schwarze Kunst war zwar den Außenstehenden
nicht bekannt, den Insidern allerdings sehr wohl. Die erste Beschreibung des
gesamten Druckens mit beweglichen Lettern erschien erst ca. 200 Jahre später!
Nächste
Stufe waren Illustrationen (Drucker,
wie Koberger, Nürnberg, die solches drauf hatten, florierten). Dazu kam der Autorenname,
der zum ersten Mal aufkam. Der Name war aber zu wenig und die Bücher wurden
zwanglos kopiert. Luther versuchte es mit Bordüren (Lukas Cranach!), aber auch
dort Nachdrucke ohne Zahl.
Es
kam zur Ausbildung des Copyrights (Beispiel Rechenbuch in Ausstellung –
Strafe: 10 Mark Gold). Damit war Eigentum aus dem Nichts geschaffen. Und
entsprechende Verschuldungsvorgänge konnten starten. Das Copyright-geschützte
Druckgewerbe war eine der größten (obendrein industriellen, da
massenfertigenden) Triebkräfte des Aufstiegs im 16. Jh.
Dazu
kam ein weiteres: Edelmetallfunde!
Silber im Boden ist nicht zu beleihen, Silber ausgemünzt dagegen unschwer. Im
Vorgriff auf neuen Bergsegen ging Sigismund der „Münzreiche“ im 15. Jh.
unter. Alles fiel an die Fugger.
Ein
drittes: Die Versuche, den Glauben
(Religion war eine Hauptquelle von Einkommen, siehe schon Ablassbriefe) zu
monopolisieren. Kampf gegen Luther, Gegenreformation sind hier wichtige
Stichworte.
Ein
viertes: Starke Ideologisierung der
Massen (Anti-Pfaffenhetze; Einzug geistlicher Güter; der Tobelhof bei Zürich
z.B., ehemals Klostereigentum, dann wenig später – 1530er Jahre – für
11.000 Gulden verkauft, Geld in die Stadtkasse; dazu Agitation gegen die „Monopolien“,
gegen „Mammon“ und „Wucher“, schließlich gegen die Juden, siehe Ausstellung).
Ein
fünftes: Expansion. Kolumbus segelte
nicht los, um etwas zu entdecken, sondern um seine Financiers zu befriedigen.
Neues Land bedeutete neue Abgaben und neue Abgaben bedeutete Kreditaufnahmemöglichkeiten.
Die
Vorgriffe
auf künftige Einnahmen führten zur Überschuldung und Karl V. erging es nicht
anders als heutigen Telekom-Gesellschaften. Karls Erbe waren der spanische
Staatsbankrott von 1555, wenig später vom französischen gefolgt.
Die
Elemente immer also gleich: Revolution in der Eigentumssphäre (Umwidmungen) und
Aufschuldungsproblematik.
Heute
ähnlich. Eigentum, z.B. bei Privatrente nicht mehr gewahrt, da nicht
vererbbar. Konfiskatorische Abgaben- und Steuersysteme.
Idee des Obereigentum des Staates
(Halbteilungsgrundsatz). An die Stelle der „Toten Hand“ sind jetzt die
„Vermögenden“ (siehe dazu die Globalisierungsdebatte) getreten.
Und die massive Aufschuldungsorgie.
Eigentumsentstehung
ähnlich in anderem Beispiel des nachrömischen Germaniens:
Klöster
und Kirchen erfinden Urkunden eines
Phantomkaisers, um sich „uralte“ Rechte zu sichern, die nicht in Frage
gestellt werden können. Die Landlords, die nach dem Ius Occupandi operieren,
verlieren Leibeigene (Grundherrschaft: Wer auf dem Boden, Eigentum also, das mir
gehört, ist mein) an die Städte (Stadtluft macht frei), wo dort der Aufstieg
via freie Lohnabeiter startet (Florenz!).
Ähnlich:
Bauernbefreiung und Bevölkerungsexplosion und „industrielle Reservearmee“.
Damit waren Überbevölkerungstheorien naheliegend von Malthus bis Marx (zu
wenig Nahrung bzw. „industrielle Reservearmee“).
Eigentumsentstehung
(Richtung: Eigentumssicherung, - fungibilisierung und –maximierung) wird heute
wieder eingefordert, vgl. ausführlich de
Soto!
Zeit,
da es um Eigentum geht (oft unmerklich), sind immer Umbruchzeiten. Zeiten der Unsicherheit.
Dies gilt speziell für Eigentum, das wertmäßig und ergo für Beleihungszwecke
variabel ist. Zum Beispiel: Aktien und Immobilien.
Werden
Zeiten deflationärer Entwicklung auf diesen Märkten nicht abgelöst und überlagert
von Zeiten, da andere
Märkte inflationieren (Gold-Hausse 1980 ex, Aktien-Hausse startet 1982), kommt
es zu langen depressiven Phasen. Kurzum:
alles fällt!
Beispiel:
Haus-Verauktionierung via Aktien in den 1830er Jahren (Ausstellung!).
So kann man immer sagen: Gibt es nach Eigentumsvernichtung via Wert- bzw. Preisverfall (Extremfall: Krieg) kein Anschluss-Eigentum, das – zu Beleihungs- bzw. Besicherungszwecken an seine Stelle treten kann – ist mit einer schweren lang andauernden Krise zu rechnen.
An
Stelle des Anschluss-Eigentums können auch andere „Rechte“ treten, um die
benötigten Verschuldungsvorgänge zu starten bzw. fort zu setzen, z.B. künftige
Lohn- und Gehaltsforderungen.
Dazu
Beispiele:
1.
Athens
ökonomische Basis durch Sparta vernichtet (Ölbäume abgehackt!) und Ende des
Bergbaus von Laurion – Abstieg, Zerfall.
2.
Rom
der letzten Jahre der Republik. Zunächst die Gracchen und ihre Reformversuche
(= mehr Land den Bauern). Desaster startet mit Mithradates („partes illo
tempore carissimae“). Schwere Krise, Bankrottwellen und Schuldneraufstände (Catilina) Bürgerkrieg. Sklavenaufstände. Piratenprobleme
(Eigentumssicherung fehlt). Überdies Schuldenstreichung durch Cäsar.
Danach Augustus mit Eigentumsumverteilung via Subskriptionen, dazu das ägyptische
Gold und „Pax Augusta“ mit neuem Überschuldungsexzess, dann Defla,
Zwangskauf von Immobilien, um deren Preise zu stützen. Publius Spinther will
Geld abheben, Bankpleite, Gesamt-Crash.
3.
Einführung der Dreifelderwirtschaft.
Arbeitskräftefreisetzung und Peuplierung des Landes, aus dem Bauern wird der
Steinmetz. Und da das Land ertragreicher wird, ist es auch „wertvoller“.
4.
Eduard
II. von England,
Vorschussfinanzierung, dann Bankrott, Schluss der Bardi & Peruzzi usw.
Zerfall des Handels in Folge von verlorenem Vertrauen, alias „Credit“ (Champagne-Messen),
aber Wiederaufstieg von Florenz, da dort neue Industrien (Weberei).
5.
Lollarden
schon erwähnt. Extremer Druck von beiden Seiten.
6.
Bauernkrieg
misslingt: keine
freien Lohnarbeiter! Deutschland verliert führende Rolle (mangelnde
Zentralgewalt) und zerfällt in kleine Staaten. Der „Gewinn“ durch die
Eigentumsumverteilung und „fresh money“ durch Silber“segen“ reicht auf
Dauer doch nicht, da beides außerdem nur regional beschränkt. Und vieles
abfließt („Frankfurt, das Silber- und Goldloch des Reiches“).
7.
Tulpenmanie
und ökonomische Folgen? Angeblich keine (neues Buch eines
Deutsche-Bank-Direktors), aber sehr schön auf Einzelmärkten bzw. an
Einzelschicksalen zu beobachten (van Goyen, Rembrandt).
8.
Staatsbankrott Frankreich
1788/89. Schwere Depression, Revolution. Hyperinfla, Preisstopp, Diktatur.
Erster Versuch: Landgewinn.
Gescheitert in Moskau; zweiter Goldwährung
(ex Gold aus Italien usw.). Gelungen.
9.
Defla
ab den 1830er Jahren. Ausweglose Lage, aber Goldfunde
(Kalifornien, Australien). Neuer Antritt.
10.
Freihandel
(Cobden-Vertrag 1862), mit neuem Defla-Trend (Gegenbewegung: Expansionismus/Imperialismus:
Kolonien, Sozialdemokratie, Schutzzölle). Neuer Antritt nach Alaska-Goldfunden
(Kondratieff-Mechanismus).
11.
Nach 1. WK Deutschland mit starker Eigentumswerte-Minderung
– ausweglose Lage. Diktatur. Landgewinnungsversuche („Lebensraum“), zum
letzten Mal im hergebrachten großen Stil. Ersatz privater Neuverschuldung durch
staatliche (ungedeckt,
ergo Währungsreform und Staatsbankrott).
12.
Nach 2. WK West: Neue Kredite von außerhalb (Marshall-Plan) statt
Reparationen – neuer Aufstieg. Ost:
Reparationen plus Sozialismus (= nicht beleihungsfähiges System) – Untergang.
Löst sich Eigentum auf, kann dies nach einer alten Erfahrung der Kriminologen, die auch Bob Prechter verarbeitet hat, nur in einer Großen Downwave geschehen. In der Upwave dominiert die Gewalt gegen Personen (Kult des schönen, starken Leibes, wovon wir jetzt in der letzten Phase sind), in der Downwave die gegen Sachen (dabei sind Grafitti-Sprayer sozusagen Vorboten. Grundgedanke: Es macht doch nichts aus, sich an Sachen zu vergreifen da ohnehin zu viel davon vorhanden, Ladendiebstahl, Grenzen zwischen Mein und Dein werden fließend, u.a.).
Eigentumswirtschaften
sind gebrechliche Gebilde. Fehlt der Schutz, vgl. Ägypten nach Tuthmoses,
spätes Rom mit Bewachung der Felder,
laxe Handhabung von Grund und Boden nach der Wiedervereinigung,
dito von Forderungen, die einfach ausgebucht, d.h. umgebucht werden, was darauf
hinaus läuft, dass sich die Vollstreckung
auflöst, siehe auch
Entschuldungsgesetze, chapter 11, moral hazard usw. – geht das Eigentum und
der direkte Zugriff mehr und mehr verloren.
Dazu
auch Securisitation: immer mehr
Forderungen werden aus Forderungen gemacht, klare Zuordnungen fehlen immer mehr,
dazu eine Perversion des Schuldrechts
mit immer mehr Beleihungen von Erwartungen, Konsumentenkredite, das
Derivatewesen, usw.
Die
Stringenz
der Eigentumswirtschaft entgleitet immer mehr und wird auf der der anderen Seite
in einem Verfolgungswahn bei Verstößen gegen die Eigentumsordnung pervertiert
(Fahrerflucht bei Mini-Kratzern, Steufa, Knöllchenschreiben ex Eigentum der Städte
an ihrem Grund und Boden, Großpolizeiaktionen bei Bankraub).
Dabei Tarnung von Ansprüchen oder Retusche (speziell die nichtkapitalisierten Renten, die Staatsverschuldung, die den Gläubiger zum Schuldner seiner selbst macht).
So
allgemeine Auflösung, die um auch das deutlich zu sagen, im vorigen
Jahrhundert mit dem Ende der Sklaverei („Eigentum“ an Menschen!) begonnen
hat, inzwischen Tierschutz, der ins Lächerliche entglitten ist (Tiere sind fast
schon wie Menschen), weiter Bereiche der Sozialisierung (Halbteilungsgrundsatz des BuVerfGerichts).
Vor
allem das Geldmonopol (ähnlich auch
schon Passmonopol), wonach Geld aus dem Eigentumsbereich gelöst wurde und
schließlich nicht mehr mit irgendetwas Vollstreckbarem unterlegt ist. Beginn,
wie schon besprochen mit Fiat Money im 19. Jh.
Ein
Monopol ist eigentumskonträr, nicht
weil es alles Eigentum (Rechte) in einer Hand vereint, sondern andere
ausschließt. Die DM hat keinen Eigentümer, sondern nur noch Besitzer,
da sie jederzeit verrufen werde kann (Euro).
Zeitenwenden aufwärts und abwärts.
Wir
beschäftigen uns im Forum vor allem mit der Zeitwende abwärts. Deshalb sollte
die Zeitenwende aufwärts zunächst einmal
ausführlicher besprochen werden:
Kennzeichen:
Aufbruchstimmung;
neuer Optimismus; neue Generation am Ruder; Wiederentdeckung alter oder
Entdeckung neuer Werte, Ideen, Visionen.
Zur
ZW aufwärts gehört zumeist ein starkes negatives
Ereignis, das vorangegangen ist, das
bis hin zur Traumatisierung gehen kann. Muss aber nicht sein, vgl.
1871
gegen 1945.
Das
Problem 1871 (Gründerfieber) war, nicht erkannt zu haben, dass sich solche
Projekte nicht durchhalten lassen. Es fehlten solide Geschäftspläne, daher
sehr gut mit dem Web-Fieber
(positiver Outside-Schock, zumal nach dem Ende des Kalten Krieges) zu
vergleichen. Fukuyamas These vom Ende der Geschichte wurde zunächst kritiklos
bejubelt.
Das
Problem von 1945 war, nicht erkannt zu haben, dass ein solches Ereignis nur
einen Teil der Grundfragen gelöst hatte: Faschismus weg, aber Sozialismus
nach wie vor da. Es wurde zwar gefordert, auch diesen zu beseitigen („Das
Reich des Bösen“). Aber man war nicht darauf vorbereitet, was
passiert, wenn der Sozialismus
tatsächlich verschwindet. Dafür existierte keinerlei Ablaufplan und es gab
keine Experten, die mehr zu sagen wussten – außer dem schwammigen
„Reprivatisieren“ durch die Treuhandgesellschaft.
Auch
dort sehen wir wieder, dass die Essenz des Phänomens EIGENTUM nicht verstanden
wurde (Folge: Fehldisposition von Kapital in allergrößtem Ausmaß). Allein der
„Umtausch“ einer quasifeudalistischen Gutscheinwährung
in eine Kreditgeldwährung (DDR vs. BRD) wurde wie im Hubschrauberbeispiel
abgewickelt (Folge: Inflationierung, soziale Unzufriedenheit). Auch wurde der
„Goldene Westen“ als eine Art Paradieszustand hingestellt ohne mitzuteilen,
was denn erforderlich gewesen wäre, um in dieses Paradies zu kommen. Die Bürger
der Ex-DDR glaubten so, einen schlechten
Feudalherren durch einen guten ersetzt zu haben.
Resultat: Andauernde Katerstimmung (Alternative wäre „cold turkey“ gewesen).
Daher insgesamt völlig falsche Einschätzung der finanziellen und psychologischen Folgen. Bis hin zum Fremdenhass, der sich aus den trostlosen Zuständen quasi von selbst ergeben musste.
Historische
Parallelen: Augustus, der nach breit
angelegtem Gläubigermord („Subskriptionen“) mit Hilfe des ägyptischen
Goldes ziemlich lange finanzieren konnte. Der Breakdown kam dann unter Tiberius.
Bolschewiki,
die zunächst an die „Entfesselung der Produktivkäfte“ glaubten, bis sich
mehr und mehr kritische Stimmen hoben und das System immer mehr erstarrte.
Nehmen
wir jetzt Zeitenwenden abwärts.
Dazu
vor allem 1918. Es war jedem Verständigen klar, dass der Krieg niemals
vom Verlierer nachzufinanzieren war
(Melchior, Keynes). Dennoch wurde dies versucht, was am Ende in Finanzkrise und
Depression enden musste.
Die
Ratio wurde überlagert von diversen Optimismen
(Demokratie ist besser als Monarchie; jetzt kann endlich der Sozialismus sich in
Ruhe entfalten; es kann eine Welt ohne „Zinsknechtschaft“ geben). Als sich
diese aufzulösen begannen (Finanzprobleme der Demokratie, Sowjetdiktatur,
Aufstieg der Nazi-Diktatur), begann die Ratlosigkeit.
Historische
Parallelen:
Demokratische
Revolution in Athen, zugleich leichte
Durchfinanzierung mit Hilfe des Bergbaus von Laurion. Danach machtpotentielle Hybris. Sinnlose Kriegszüge
(Syrakus!) und Abstieg in endlosen innenpolitischen Querelen. Ende der
Demokratie.
Karl
V.
„y sus banquieros“. Aufschulden
und Bankrott.
Freihandel
nach 1860, der ähnlich deflationär wirkte wie heute nach dem Ende der alten Staatsmonopole, vor allem Telekommunikation (angefangen mit der
Zerschlagung von AT&T).
In
diesen Phasen Sehnsucht nach „großen
Gestalten“ (u.a. Karls-Sage, idealisierende Sage Ludwigs d. Heiligen,
Kyffhäuser, Nero redivivus im 3. Jh.).
Welche Art Zeitenwende, wenn überhaupt, erleben wir hier und heute?
Wir
beginnen wieder mit einer Untersuchung des EIGENTUMS bzw. der Frage, ob es sich
mehrt oder mindert (wertmäßig).
1.
Beispiel Börse: Nachgerade
panische Angst vor einem Kollaps, obwohl sich dabei zunächst nichts zu ändern
scheint als die Tatsache, dass aus nicht realisierten Gewinnen evtl. nicht
realisierte Verluste werden könnten. Aber: Der
Wealth effect ist aufgetreten. Die Inhaber (Eigentümer) von Titeln oder Fondsanteilen haben ihre
Papiere beliehen (margins) und kommen in Probleme, wenn die Kurse fallen. Außerdem
ist eine schlechte Börse schlecht für die Stimmung und da die Konsumausgaben
immer stärker stimmungsabhängig sind, würde der Konsum entsprechend leiden,
so die Konjunktur immer tiefer ziehen und die Börse vica versa mit. Außerdem
bedeutet schwache Börse höhere Kapitalentstehungskosten (Aktien stehen zu
tief). Take-overs à la Vodafone (Kurs halbiert!) heute nicht mehr so einfach möglich.
2.
Neue Ideen führen nicht
automatisch zu neuem oder höher bewertetem Eigentum, sondern im Gegenteil: Nach
einer Euphorie-Phase (siehe Neue Märkte) setzt der Mahlstrom fallender Kurse,
Preise und vor allem Margen ein. Dies wird durch das Internet multipliziert, das – wie ein großer Marktplatz – auf Dauer alle Preise sich angleichen lässt bzw. den
jeweils am stärksten unter Druck stehenden Anbieter zu einer weiteren
Preisrunde nach unten animiert. Auch minimiert sich die Zeit des
Anpassens an neue Preisniveaus, ganz abgesehen davon, dass klasssiche Arbitragen
(Nutzen von verschiedenen Preisen) wegfallen – und damit auch entsprechende Möglichkeiten,
Differenzeinkommen zu erzielen.
3.
Der „Kreislauf der Eliten“
(Pareto) wird unterbrochen. Die Generation der „Breaker“ in den neuen
Technologien (Computer bis Biotech) neigt sich der Erschöpfungsphase zu. Es ist
kaum zu erkennen, welche neuen „revolutionären“ Techniken noch möglich sind, um
Initiativgewinne abzuschöpfen, ganz abgesehen davon, dass sie (siehe Internet)
den beschleunigten Drang zur Nivellierung haben. Die letzten „Breaker“
versuchen, sich ins Rentnerleben zu verabschieden (Verkauf eigener Aktien usw.
– von Paul Allen über die Holy-Brüder – BOSS - bis zu den Haffa-Brüdern).
4.
Auch aus demographischen Gründen fehlt die „neue Generation“ der
Have-nots, die hungrig ist und Neues zu wagen sich erkühnt. Bei einer
tendenziell stagnierenden Bevölkerung in den reichen Staaten verlagert sich das
Interesse immer stärker auf die Bewahrung
(„Generation der Erben“). Die immer noch zu beobachtende weltweite Bevölkerungsvermehrung
findet überdies am falschen
Ort statt: Die armen Länder werden subventioniert (womit die Führungselite
in die Korruption abdriftet) statt sie auf den „harten Weg“ zu schicken. Russland macht dagegen ein wenig Hoffnung.
5.
Überdies verteidigen die reichen Länder mit allen Mitteln ihre Arbeitsmarktmonopole statt sich Ein- und Zuwanderung zu öffnen.
Diese würden zusätzliche verschuldungsbereite Teilnehmer am Wirtschaften
schaffen (vgl. den Wirtschaftsfaktor „Türken“ in Deutschland – es wäre
vermutlich ökonomisch erheblich negativer, die Türken auszuweisen als z.B. die
USA als Absatzmarkt zu verlieren). So wird außerdem ein Verrentungseffekt exportiert: Wer in Deutschland sein Glück gemacht
hat, geht im Alter in die Heimat zurück, um dort sein Vermögen zu genießen,
nicht um neue Geschäfte auf zu machen.
6.
Der Staat hat sich jahrzehntelang als Schuldner der besonderen Art präsentiert
(Besicherung durch künftige Steuereinnahmen)
und damit, dass er ausschließlich Konsumschulden gemacht hat, das Zinsniveau in
Höhen katapultiert, die es in der Weltgeschichte so lange dauernd nie gegeben
hat. Damit existiert in der privaten Wirtschaft ein latentes Überschuldungsrisiko, das schon bei kleinen Krisen mit
Wucht aufbrechen kann.
7.
Wenn sich der Staat als Schuldenmacher zurückzuziehen versucht, wie
derzeit zu beobachten, entfällt nicht nur ein alteingefahrener
Nettoneuschuldner, sondern der Ersatz von nicht von zusätzlichem Leistungsdruck
begleiteten Schulden (Staat) durch solche, die diesem Druck unterliegen (vgl.
Ersatz von Staats- durch Privatverschuldung durch UMTS-Auktion), wird
schwieriger, zumal wegen des vorgegebenen hohen Zinsniveaus.
8.
Neues
Eigentum im Sinne wie es historisch
immer wieder erfahren wurde, ist nicht in Sicht (Kolonien, Edelmetallfunde). Die
Erde ist verteilt und das Geldsystem basiert nicht mehr auf Metall,
sondern auf Staatstiteln; dazu siehe
oben. Da neue Nachfrage („fresh money“) aber immer nur durch zusätzliche
Nettoneuverschuldung in die Welt kommen kann, ist die Frage zu stellen: Wo sind
die neuen Schuldner und vor allem: Wo ist das neue (oder höher bewertete) Eigentum, mit dem sich Kredite besichern ließen?
9.
Gerade die Höherbewertung von Eigentum scheint auszulaufen,
deflationäre Trends sind allenthalben zu spüren, zumal auf den Immobilienmärkten.
Setzt sich dieser Trend fort (dazu siehe die Deflationsmaschine Internet),
erscheint eine längerfristige deflationäre Depression als das
wahrscheinlichste Szenario. Das Beispiel Japans ist ein sehr Ernst zu nehmender
Hinweis.
10.
Vor allem die Aushöhlung des „geistigen
Eigentums“ durch die neuen Techniken (Napster usw.) ist beachtlich. Dies führt
in einer ersten Phase zur Verweigerung der Schaffung neuen solchen Eigentums,
bevor dann erst in einer späteren Phase, wenn der Existenzdruck allumfassend
geworden ist, wieder neue Kreativität
entsteht (vgl. das Copyright an der „Oper“, die Beispiele Rossini und
Verdi).
11.
Sollten sich
Verschuldungsbasen bzw. ihre Derivate mehr und mehr verflüchtigen, ist mit
einer verstärkten Auseinandersetzung
zwischen Haves und Havenots zu rechnen. Die Gefahr, dass sich entsprechende
Missstimmungen (Davos) in prärevolutionären oder gar revolutionären
Erscheinungen entladen, ist real gegeben. Eine Deflation (Zeit steigenden
Geldwerts und damit obendrein einer Bevorzugung der Gläubiger) endete
in der Geschichte grundsätzlich im Umsturz.
12.
Da dem Umsturz aber konkrete Ideologien
voraus gehen müssen („Schuldenerlass“ zu fordern, reicht allein nicht), ist
zu fragen, ob sich solche abzeichnen? Die Antwort scheint zunächst Nein
zu lauten, da die althergebrachten Ideologien (contra Zins und Eigentum) in den
alten Gewändern abgewirtschaftet haben. Was aus der Umweltschutzbewegung
zu erwarten ist, bleibt offen. Jedenfalls würde eine Rückkehr zu „eleusischen“
Zuständen den Abwärtstrend beschleunigen. Ein grüner Debitismus mag zwar
funktionieren, nicht aber, nachdem erst über lange Zeit hin ein „normaler“
Debitismus gelaufen ist. Der Bauer
kann mit artgerechter Haltung niemals die Schulden
abbezahlen, die noch auf seinem Hof lasten und ein Kernkraftwerk ist zwar
durch Sonnen-, Wasser- oder Windenergie zu ersetzen, aber nur physisch, nicht in
Bezug auf die Finanzierungskosten, die auf dem Kraftwerk lasten und die
entsprechend nicht abzuarbeiten sind. Nicht umsonst wird die Windkraft
subventioniert (Stromeinspeisungsgesetz), was dann allerdings auf ein Modell
hinausliefe, dass der Steuerzahler bzw. Staatstitelzeichner die Rechnung
bezahlt.
Wir haben also drei negative Trends: Eigentum wird tendenziell weniger bzw. entwertet; Entstehung oder Schaffung von neuem Privateigentum wird retardiert bzw. sinnlos; endende Phase extrem hoher Zinsen bei noch längst nicht bedienten Schulden. Dazu kommt das völlige Missverständnis des Phänomens „Geld“.
Positive Trends: Auslaufen der
aktuellen und immer mehr kritisierten Welt- und Wertverständnisse; Rückbesinnung
auf „alte“ Werte (die aber u.U. kontraktiv sein können); immer noch
ungebrochener Systemoptimismus mit tendenziell entsprechender Bereitschaft zu
weiterer Nettoneuverschuldung.
Vielleicht
wird’s nur eine Delle. Vielleicht ist es aber bereits der Beginn des langen
Abstiegs.
______
Dazu
kamen noch Probleme, die ungeklärt geblieben sind, z.B. die Paradigmenwechsel
in der Religion:
·
Wieso
geht Constantin zum Christentum über (wenn die Story überhaupt stimmt)? Bei Gründung
von Constantinopel wurden Münzen mit P (= griech „rho“, also „r“)
unters Volk geworfen und das P ähnelt sehr dem des Christogramms P und X.
·
Warum
vor allem kommt es in der Geschichte des Christentums zum Wechsel vom alles
beherrschenden Pantokrator (Weltenrichter) zur armseligen am Kreuz hängenden
Kreatur?
·
Warum
entsteht der Marienkult, der vor allem bei den jüngsten Päpsten so beliebt
geworden ist?