Den folgenden Text samt Grafiken hat "Hirscherl" aus dem Forum aufbereitet - vielen Dank!
Einführung in die Psychohistorik
Michael F. Flynn, 1988
»Aber die Kurven, wenn sie überhaupt
etwas bedeuteten, schlossen doch den freien Willen ein ... jeden Morgen strömten
drei Millionen Besitzer >Freien Willens< in das Zentrum der Megapolis New
York; jeden Abend flossen sie wieder nach draußen - alle aus >freiem
Willen< und auf einer glatten vorhersehbaren Kurve.«
Robert A. Heinlein,
The Year of the Jackpot
ERSTER TEIL
Die
Mathematik der Geschichte
Hat der Große Westafrikanische Krieg schon begonnen? Wie
viele Rassenkrawalle werden die USA während des Ausbruchs im Jahr 2010 erleben?
Wie viele Orbitalfabriken werden in der Rezession von 2033 bankrott gehen? Ist
der bevorstehende Zerfall Indiens in einzelne Staatsgebilde eine Folge der
topologischen Gegebenheiten des Subkontinents? Welcher Zusammenhang besteht
zwischen der geographischen Lage Babylons oder der Verwaltung des antiken Ägypten
mit dem Erfolg von L5-Kolonien?
Vor Jahren stellte sich Isaac Asimov eine mathematische
>Geschichtswissenschaft< vor, die auf solche Fragen die Antworten liefern
könnte. Und heute ist seine fiktive Psychohistorik
im Begriff, Realität zu werden. Noch ist es nicht so weit. Bis jetzt ist kein
Hari Seldon [Anm.: Romanfigur der Foundation-Trilogie] aufgetreten, der die
Verbindung zwischen den einzelnen Disziplinen herstellen würde; aber Forscher
in so unterschiedlichen Bereichen wie Ökologie und Differential-Topologie haben
bereits die Grundlagen dazu entwickelt.
Die Psychohistorik stellt einen Versuch dar, die Kräfte,
die die menschliche Geschichte antreiben, zu begreifen und sie in brauchbaren
mathematischen Begriffen auszudrücken. Kurz gesagt also einen Versuch, die
Analyse an die Stelle der Anekdote zu stellen. Um es genauer zu sagen, wir
wollen Gesetze formulieren bezüglich:
1) der internen Struktur verschiedener Gesellschaften;
2) ihrer geographischen Beziehungen, und
3) ihrer Dynamik über Zeiträume hinweg.[1]
Diese schlichte Behauptung
reicht aus, um Schreie der Empörung auszulösen: Die Wissenschaft sei
entmenschlichend. Wir brauchen weniger Wissenschaft, nicht etwa mehr. Eine
Gesetzmäßigkeit der Geschichte ist unmöglich, weil die Menschen über freien
Willen verfügen! Außerdem sind die menschlichen Gemeinwesen zu komplex, als daß
man sie wissenschaftlicher Analyse unterwerfen könnte ! Aber sind diese Einwände
stichhaltig? Als Wissenschaft bezeichnet man die Entdeckung materieller Ursachen
für messbare Phänomene. Als solche ist sie eher entmystifizierend als
entmenschlichend. Wenn es materielle Ursachen für Zustände wie Krieg und Armut
gibt, dann kann man diese Ursachen nur dadurch beseitigen, indem man sie in
Angriff nimmt, nicht aber, indem man sie mit guten Gedanken >wegwünscht<.
Jedenfalls leidet das Studium der Kultur im Augenblick, wie der Anthropologe
Marvin Harris bemerkt, nicht gerade an einer Überdosis wissenschaftlicher
Methodik.
Was den freien Willen angeht:
Freiheit ist das Gegenteil von Zwang, nicht etwa von Kausalität. Eine freie
Wahl ist keine unvernünftige Wahl. Das heißt, sie hat Gründe - oder Ursachen
-, die man in Form eines Gesetzes zusammenfassen könnte. Ein wissenschaftliches
Gesetz ist eine Beschreibung, nicht etwa eine Ursache von Phänomenen. Ein
historisches Gesetz kann einen ebenso wenig dazu zwingen, sich in bestimmter
Weise zu verhalten, wie einen eine versicherungsmathematische Tabelle zum
Sterben zwingt.
Die Komplexität der
menschlichen Gesellschaft bedeutet lediglich, dass es schwierig sein könnte,
die Gesetze der Geschichte zu entdecken, nicht etwa, dass sie nicht existieren.
Sicherlich sind viele der in diesem Artikel zitierten Beispiele grob
vereinfachend; aber >vereinfachend< braucht
nicht gleichbedeutend mit >falsch< zu sein. Selbst eine grob
vereinfachende Analyse kann durchaus zum Verständnis beitragen. Im gegenwärtigen
Stadium rechnet niemand damit, ein einziges, allumfassendes System von
Differentialgleichungen aufstellen zu können, das jede Spielart der
Gesellschaft beschreiben könnte. Schließlich haben die Physiker auch bis jetzt
das allgemeine Drei-Körper-Problem noch nicht gelöst. Wir stehen auch erst am
Anfang einer mathematisch-wissenschaftlichen Betrachtungsweise der Zivilisation.
Die Psychohistorik ist ein umfangreiches Thema, das wir hier nicht in aller
Breite abhandeln können. Wohl aber können wir uns einige Höhepunkte dieser am
Anfang stehenden Wissenschaft herausgreifen.
Wissenschaftliche Gesetze sind
statistische Gesetze. Sie befassen sich mit allgemeinen Tendenzen großer
Mengen. Die Kernphysik sagt ja nicht etwa das Schicksal eines einzelnen Neutrons
voraus oder die Chemie das eines einzelnen Moleküls. In gleicher Weise ist es
praktisch unmöglich, das Verhalten eines Individuums vorherzusagen, das heißt,
es ist praktisch unmöglich, alle
Faktoren zu identifizieren und zu messen, die es beeinflussen. In großen
Gruppen freilich können sich individuelle Variationen gegenseitig aufheben und
damit Regelmäßigkeiten oder Muster erzeugen. Auf diese Weise kann es sein, dass
das durchschnittliche Verhalten einer
Gruppe vorhersehbar sein kann, selbst wenn das nicht für das Verhalten der
einzelnen Individuen der Gruppe gilt. Spielcasinos und Lebensversicherungen
leben von der Richtigkeit dieser Erkenntnis.
Lassen Sie uns einige
Beispiele von solchen Mustern und Regelmäßigkeiten näher betrachten:
1.
Sklavenaufstände/Rassenunruhen in den USA wurden in Fünfjahres-Abständen auf einer
Shewhart-Graphik, wie sie für Zwecke der Qualitätskontrolle benutzt wird,
aufgetragen (Abb. 1).
Eine Shewhart-Graphik ist ein statistisches Hilfsmittel,
das zwischen zufälligen Schwankungen, die systemimmanent sind und nicht-zufälligen
Schwankungen, die durch Störungen des Systems verursacht werden, unterscheidet.
Die punktierte Linie stellt die obere Grenze des Vertrauensbereichs für einen
stabilen Poisson-Prozess dar. Dabei handelt es sich um denselben Prozess, der
als Modell für die Emission radioaktiver Partikel benutzt wird. Wie zu erkennen
ist, haben die USA in den letzten 170 Jahren Unruhen/Sklavenaufstände mit einer
Rate von l = 0,29 Aufstände/Jahr "emittiert". Dieser
Durchschnittswert ist in das zivilisatorische System der USA
"eingebaut". In jeder zweiten Generation kommt es zu Spitzenausschlägen.
Die Regelmäßigkeit dieser Spitzen deutet auf eine zweite strukturelle Ursache
hin.[2] Die
Hartnäckigkeit des Musters zeigt, dass die
Sklavenbefreiung die Stellung der Schwarzen in der amerikanischen Gesellschaft
nicht fundamental verändert hat, und (es sei denn die Bürgerrechtsbewegung hätte
das System tatsächlich verändert) dass wir mit der nächsten Spitze um

2. Die Geburtenraten in den USA sind wenigstens seit 1820 linear gefallen, wobei
geburtenstarke und geburtenschwache Zyklen sich um die Trendlinie schmiegen
(Abb. 2). Die letzte geburtenschwache Zeit und der neue Mini-Boom, den die
Grafik für 1979 anzeigt, sind lediglich eine Fortführung dieses Trends.
(Beachten Sie übrigens, dass der >Nachkriegs<-Baby-Boom schon vor
dem Krieg anfing.) Die üblichen Gründe, die für den Rückgang der
Geburtenraten genannt werden (die Pille, Legalisierung der Abtreibung, Women's
Lib) erklären dieses Muster nicht. Welche natürliche Kraft ist hier am Werk?

3. Die Zahl der Morde in den USA ist vor kurzem wieder auf den Höhepunkt zurückgekehrt,
der zuletzt in den 30er Jahren erreicht worden war (Abb. 3). Führt die
Todesstrafe (oder deren Abschaffung) zu Veränderungen in der Kurve, die die
Anzahl der Morde wiedergibt ? Oder ist es etwa umgekehrt, dass nämlich Veränderungen
in der Zahl der Morde die Öffentlichkeit dazu veranlassen, die Todesstrafe zu
fordern ? Wo liegt die Ursache, wo die Wirkung ?

4. Wirtschaftszyklen der USA in der Darstellung von Dewey und Dakin aus dem Jahr 1945
sahen die letzte Rezession, die sich daran anschließende Erholung und die
>Verlangsamung der Erholung< exakt voraus (Abb 4a). Die wirtschaftlichen
Aktivitäten, beispielsweise die Bautätigkeit oder die Stahlproduktion folgen
einer Zusammenfassung dieser vier Zyklen, die ihrerseits im Huckepack auf einer
S-förmigen Wachstumskurve sitzen kann (Abb 4b). Scheinbar chaotische Muster
lassen sich häufig in einfachere auflösen, die ihrerseits einer grundlegenden
Gesetzmäßigkeit folgen.[3 "Kondratieff"]


5. Halbwertszeit von Ideen. Häufig vergehen zwischen der Einführung einer Idee in
einer Gesellschaft und der Reaktion darauf fünf Generationen (ca. 137 Jahre)
(Abb. 5). Toynbee stellte beispielsweise fest, dass die intelligentsia (ein Begriff, den Peter der Große 1689 in Nachahmung
der westlichen bourgeoisie geprägt
hatte) sich in der Dezember-Revolte des Jahres 1825 gegen den Zaren erhob. In
gleicher Weise stürzte der westlich orientierte Ausschuss für Einheit und
Fortschritt Sultan Abd-al-Ha-mid II. im Jahre 1908, nachdem die Hohe Pforte[4]
1774 mit der Einführung westlicher Ideen in der Türkei begonnen hatte. Die
1629 verfasste Charta der Massachusetts Bay Company etablierte amerikanische
Kolonien für die Erschließung des Mutterlandes, eine Idee, die in den
Stempel-Gesetz-Krawallen des Jahres 1765 zurückgewiesen wurde. Die Einführung
des Orthodoxen Christentums als der offiziellen Kirche des Griechischen (alias Römischen)
Reiches im Jahre 313 wurde 451 verworfen, als die monophysitischen Untertanen
des Reiches syriakischer Sprache das Konzil von Chalzedon verwarfen.
6. Die Lebensdauer von Einheitsstaaten wird auf Extrem-Wahrscheinlichkeits-Papier (Abb. 6)
dargestellt. Extremwert-Verteilungen werden als Modell für den Zusammenbruch
komplexer Systeme benutzt, wo das Versagen auf das >schwächste Glied< der
>Spitzen-Überlastung< zurückzuführen ist. Offensichtlich ist es ohne
Belang, ob das komplexe System ein elektrisches, ein mechanisches oder eine
ganze Kultur ist. Imperien haben eine durchschnittliche Lebensdauer (DLZ) von
160 Jahren bis zum ersten Zusammenbruch. Im Durchschnitt braucht es 70 Jahre, um
das System zu >reparieren< (DRZ), worauf dieses weitere 185 (DLZ) Jahre überlebt.
Natürlich gibt es willkürliche Variationen dieser Durchschnittswerte. Welche
strukturellen Faktoren begründen diese charakteristische Lebensdauer? Und
welche die Variationen? Wie diese Beispiele zeigen, weisen zivilisatorische
Prozesse >gesetzmäßiges< Verhalten auf. Das Problem besteht jetzt natürlich
darin, das Gesetz zu entdecken!



Nachdem die Geschichte ein
Zweig der biologischen Wissenschaft ist, muss sie sich in letzter Konsequenz
mathematisch ausdrücken lassen.
Colin McEvedy
Man könnte beispielsweise
mathematische Gleichungen aufstellen, die verschiedene Faktoren im sozialen
System miteinander verknüpfen. Wir können derartige Systeme dadurch prüfen,
indem wir Ereignisse der Vergangenheit >nachhersagen<. Wenn das Modell das
Verhalten der realen Welt simuliert, ist das ein starker Beweis zu seinen
Gunsten. So hat der Polit-Wissenschaftler Robert Jackman beispielsweise ein
Modell für Staatsstreiche entwickelt, das zu 92 % mit den tatsächlichen
Frequenzen von Staatsstreichen in den schwarzafrikanischen Staaten korrelierte
(Abb. 7).
Das Modell basierte auf
strukturellen Faktoren, wie sie für jedes der untersuchten Länder zutreffen,
wie zum Beispiel der Analphabetenrate und dem Anteil der nicht im Ackerbau tätigen
Bevölkerung. In ähnlicher Weise hat Jay Forresters Computer-Modell der
Wissenschaft der Vereinigten Staaten 50 und mehr Jahre Kondratieff-Zyklen
erzeugt, die der Realität entsprachen, obwohl Forrester und sein Team bei der
Entwicklung ihres Modells nichts von der Existenz solcher Zyklen wussten. Die
Zyklen ergaben sich aus der Verbindung verschiedener Wissenschaftssektoren
innerhalb des Modells.
Mathematische Modelle ermöglichen
es uns, die Funktion der Geschichte zu begreifen, indem sie unser Augenmerk von
den Symptomen der einzelnen Ereignisse ablenkt
und auf den Prozess hinführt, der die Symptome erzeugt. Ein frühes
Beispiel dafür war Lewis Fry Richardsons Modell der Rüstungswettläufe: X und
Y seien hier das kriegerische Verhalten von zwei Koalitionen. Jeder Wert wird
als >Verteidigungsreaktion< auf den anderen wachsen. Aber das Wachstum
kann auch durch wirtschaftliche und sonstige Einschränkungen >gedämpft<
werden; so dass
dX/dt
= axY - bxX
+ cx
dY/dt
= ayX - byY
+ cy
Wenn man >Ausgaben für Waffen< als eine erste Näherung
X und Y benutzt, so meldete Richardson eine gute Übereinstimmung mit den Rüstungswettläufen,
die dem Ersten ebenso wie dem Zweiten Weltkrieg vorangingen (Abb. 8). Der
Stabilitätspunkt dieses Systems ist (sofern er existiert)
dX/dt
= dY/dt = 0
ein bilaterales Einfrieren.
Man beachte jedoch, dass ein solches Einfrieren dem System keineswegs an jedem
willkürlich gewählten Punkt (X/Y) aufgezwungen werden kann.

Er ergibt sich vielmehr auf natürliche Weise an einem
ganz bestimmten Punkt, der durch die Werte der Parameter a, b und c bestimmt
ist.[5]
In seinem Buch Looking
at History tbrough Mathematics zeigte der Pionier der Psychohistorik
Nicholas Rashevsky, wie man historische Prozesse wie die Bildung von Dörfern
oder Klassen im Prinzip mit
mathematischen Techniken als >Kinematik des sozialen Verhaltens< erklären
konnte. Transformations: Mathematical
Approaches to Cultural Change, herausgegeben von dem Archäologen Colin
Renfrew und dem Mathematiker Kenneth Cook, liefert viele weitere Beispiele,
darunter auch den Einsatz der topologischen Katastrophen-Theorie, ein Thema, auf
das wir weiter unten noch einmal zurückkommen.

Betrachten wir einige weitere Modellbeispiele:
1. Ökozonen. Der Historiker Colin McEvedy hat eine graphische Technik für die
Identifikation von Ökozonen
entwickelt: Regionen, die für bestimmte Lebensweisen >attraktiv< sind. Er
hat die >Küsten-Ökozone< im Mittelmeer folgendermaßen definiert: Man
lege zuerst ein feines Gitter über die Landkarte und definiere Küstenquadrate,
die ein Küstensegment enthalten. Dann färbe man jene Landquadrate ein, deren
Nachbarquadrate überwiegend Küstengebiete sind. Damit werden Orte
identifiziert, deren Küstenverbindungen gegenüber ihren Binnenverbindungen überwiegen,
und die demzufolge für seefahrende Gesellschaften wie die Griechen, die
Karthager, die Venezianer oder die Byzantiner besonders attraktiv sein werden.
Das Ökozonen-Konzept erklärt möglicherweise, weshalb sich bestimmte Ausprägungen
im Lebensstil und den Gebräuchen nicht weiter ausbreiten, selbst wenn sie nicht
durch geographische Barrieren behindert werden. So entspricht beispielsweise die
Verteilung der durch irische Mönche im Mittelalter gegründeter Klöster auf
dem Festland fast exakt jener der antiken keltischen Hallstatt-Kultur. - Zufall
oder Ökozone?
2.
Siedlungsbildung. Gibt es einen allgemeingültigen Prozess, der die Platzwahl von Siedlungen erklärt?
Wenn ja, so erfahren wir daraus vielleicht etwas über den Erfolg geplanter
lunarer oder orbitaler Kolonien. Robert Rosen hat dieses Problem studiert;
ausgehend von einer abstrakten Landschaft und einer Funktion a, welche die Bevölkerungsdichte
in jeder Koordinate definiert, postulierte er das Wirken zweier >Kräfte<:
1) eine Vorliebe für Standorte mit geringerer Bevölkerungsdichte, und 2) eine
Affinität (p) für Standorte, die positive Verstärkung versprechen (wie Zugang
zu fruchtbarem Boden, Broadway-Theater oder interstellaren Wurmlöchern).
McEvedys Ökozonen sind Beispiele für Affinitäts-Funktionen. Diese beiden Kräfte
definieren Gradienten in der Landschaft, wobei die eine dazu tendiert, die Bevölkerung
um >attraktive< Standorte zu sammeln, während die andere dazu tendiert,
die Bevölkerung gleichmäßig in einer Art zivilisatorischem
>Hitzetod< zu verteilen. In Verbindung mit dem
Geburts-Tod-Prozess, erzeugen die Annahmen dieselbe Formel, die sonst einen
chemischen Diffusions-Reaktionsprozeß beschreibt, nämlich [6]:

Ist es nicht faszinierend, wie
oft dieselben - oder ähnliche - Gleichungen in völlig verschiedenem
Zusammenhang auftauchen?
3. Topologische Netzwerke. Die durch die oben bezeichneten Prozesse erzeugten
Siedlungen bilden die Knoten eines topologischen Netzwerks. Die Knoten mit der höchsten
Konnektivität sind naheliegende Kandidaten für Hauptstädte. Der Geograf
Forrest R. Pitts hat die >Konnektivität< mittelalterlicher russischer Städte
studiert (die natürlich in der Ufer-Ökozone liegen). Moskau stand an zweiter
Rangstelle; das benachbarte Kolumna an erster. Auch die frühere Hauptstadt
Vladimir lag in derselben Region. Topologisch betrachtet war Petrograd eine
unnatürliche >unrussische< Abweichung. In ähnlicher Weise sind alle
bedeutenden Hauptstädte Mesopotamiens (Kisch, Agade, Babylon, Ktesiphon,
Seleukia und Bagdad) dicht beieinander gruppiert. Der Irak wurde nur kurze Zeit
von außerhalb dieser kleinen Region regiert. (Gewöhnlich vom Iran aus, und
selbst die achämenidischen Schahs gaben Babylon gegenüber Persepolis den
Vorzug.) Eine topologische Analyse der internen Güterbewegungen liefert die
verblüffende Erkenntnis, dass es vier (oder möglicherweise fünf) Indien gibt
(vgl. Ekistics von C. A. Doxiadis).
Dabei handelt es sich um Regionen mit relativ hoher Bevölkerungsdichte und
Industrialisierung, die voneinander durch Gegenden primitiver Ackerbauwirtschaft
getrennt wird. Möglicherweise stellen diese Regionen die künftigen politischen
Grenzen des Subkontinents dar.
4. Zivilisatorische Interaktion. Die Geographen haben mit empirischen Studien
herausgefunden, dass sich das Ausmaß des Verkehrs (und anderer Formen der
Kommunikation) am besten durch die Formel
l
=C(m1m2)/dk
beschreiben lässt, die sie als >Gravitationsmodell<
bezeichnen. Masse ist eine Funktion
von Population und Wohlstand, wohingegen Distanz
die Zeit und die Energie bezeichnet, deren es bedarf, um zwischen zwei Orten zu
reisen.[7] Der Archäologe John Alden hat unter Verwendung der >Nächster
Nachbar-Analyse< an Siedlungen der Aztekenzeit im Tal von Mexico City bei
Annahme der bekannten politischen Grenzen einen Wert von k = 1,9 ermittelt.[8]
Darauf benutzte er das Modell, um die unbekannten politischen Grenzen der
Staaten aus der Toltekenzeit >nachherzusagen<. Wir können dasselbe Modell
benutzen, um zivilisatorische >Potentialfelder< zu bestimmen, und das
schließt >natürliche< politische und ökonomische Grenzen ein. Wendet
man diese Erkenntnis beispielsweise auf die Stadt New York an, so stellt man
fest, dass die >Zivilisationsgrenzen< mit Boston und Philadelphia kurz vor
Trenton liegen. Für Easton im Staat Pennsylvania ist New York etwa dreimal
>attraktiver< als Philadelphia.[9]
5. Zentralplatz-Theorie. Dörfer sind nicht imstande, jeden möglichen Service zu
bieten. Zum Verkauf angebotene Waren bestimmen minimale und maximale
Reichweiten, die davon abhängen, welche Entfernung die Menschen zurückzulegen
bereit sind, um sie zu kaufen oder zu verkaufen. Dies führt zu einer Hierarchie
zentraler Orte (Marktflecken), die in einer idealisierten Landschaft ein Gitter
sich durchdringender Hexagone bilden, die als >Christaller-Gitter<
bezeichnet werden (Abb. 9). Die Zentralplatz-Theorie, die erstmals in den dreißiger
Jahren von dem deutschen Geografen Walter Christaller vorgeschlagen und dann von
August Lösch verfeinert wurde, sagt die geographische Verteilung zentraler Plätze
und die hierarchischen Beziehungen zwischen diesen Orten voraus. Möglicherweise
eignet sich diese Theorie auch dazu, die Platzierungen gewisser
Dienstleistungsbetriebe innerhalb
moderner Städte zu erklären: warum einige davon verteilt sind (beispielsweise
Tankstellen) und sich andere konzentrieren (z.B. Wall Street), während wieder
andere von >Wanderpredigern< (beispielsweise Beratungsunternehmen) oder
periodischen Märkten (z.B. Tupperware-Parties) bedient werden. Viele zentral
geplante Wirtschaftsreformen scheitern, weil sie - ohne dies zu wissen - gegen
diese Naturkräfte arbeiten. Die Auswirkungen auf die Entwicklung der Wirtschaft
in der Dritten Welt sind ganz entscheidend.

Henri Poincare
Es gibt drei fundamentale Axiome der Psychohistorik:
a)
Menschliche Gemeinschaften sind homöostatische Systeme. Sie sind allgemeinen
Systemgesetzen unterworfen, von denen die Gesetze der physikalischen,
biologischen und kulturellen Systeme Lokalisierungen darstellen.(Smith)
b)
Menschliche Gemeinschaften sind biologische Populationen. Sie unterliegen ökologischen
Gesetzen hinsichtlich der Produktion und der Reproduktion, speziell was die
Produktion von Nahrungsmitteln und anderer Formen der Energie betrifft. (Malthus)
c)
Kulturelle Institutionen gehen auf materielle, nicht etwa mystische Ursachen zurück.
(Marx)
Dies sind moderne
Neuformulierungen, die von dem abgeleitet sind, was die drei Herren ursprünglich
geschrieben haben. Es mag seltsam erscheinen, Adam Smith, Thomas Malthus und
Karl Marx als gemeinsame Väter ein und desselben Gedankens aufzuzählen. Marx
beispielsweise hat Malthus als einen >Pavian im Kleid eines Predigers<
bezeichnet, und seit damals hat sich der Stil der Diskussionen in den
Gesellschaftswissenschaften nur unwesentlich geändert. (Ebenso wenig wie die
wechselseitige Animosität zwischen Kapitalisten, Environmentalisten und
Sozialisten.) Dennoch haben die drei genannten Herren trotz ihrer jeweiligen Mängel
versucht, die wissenschaftliche Methode anzuwenden. Tatsächlich läuft Marx'
Behauptung, kulturelle Phänomene seien auf materielle Ursachen zurückzuführen,
auf die einfache Aussage hinaus, dass es möglich ist, Kulturen wissenschaftlich zu analysieren! Ein
Wissenschaftler kann einen Brauch wie die Wertschätzung der Hindus den Kühen
gegenüber nicht >erklären<, indem er sie als religiöse Pflicht
bezeichnet. Er muß natürliche materielle Gründe dafür ausfindig machen, weshalb
diese Wertschätzung zur religiösen Pflicht geworden ist.
Ein homöostatisches System
ist eines, das das Gleichgewicht >sucht<. Mathematisch formuliert sagen
wir, dass das System >von einer Potenz-Funktion beherrscht wird<. Eine
Gesellschaft wird in so starkem Maße auf einen Gleichgewichtszustand
hingezogen, dass sie, selbst wenn man sie stört, wieder auf die ehemalige Bahn
zurückkehrt, sobald der Störfaktor entfernt ist (Abb. 10). Die Anordnung von
Gleichgewichtspunkten bezeichnet man als den Attraktor
des Systems. Manche Attraktoren sind Fixpunkte, wie der Ruhepunkt eines Pendels,
andere sind einfache Bahnen wie der Geschäftszyklus. In komplexen Systemen müssen
wir uns freilich mit sogenannten >fremden Attraktoren< auseinandersetzen,
deren Topologie nicht so einfach ist. Das Klima beispielsweise ist ein
>fremder Attraktor< des Wetters.


Rashevsky hat ein
mathematisches Modell für die >Kinematik des sozialen Verhaltens<
entwickelt, das auf der Stimulus-Reaktions-Theorie der Psychologen basiert (was
ihn zum echten Psycho-Historiker macht). Das Modell sagt Zahl, Ort und Stabilität
der Gleichgewichts-Niveaus voraus, also jenen Teil der Population, der zuletzt
>das Verhalten zeigen wird<. Wenn wir ein neues Verhalten sehen (hören
oder davon lesen), ist das für uns ein Anreiz, es zu imitieren. Die Stärke des
Anreizes hängt von drei Faktoren ab: X, der Zahl der Tuer (>Mama, das tun
doch alle!<), Ax, den Überredungs-(oder Zwangs) Ressourcen der
Tuer (>Na, stellt euch doch nicht so an, seid ihr etwa feige?<) und A, der
angeborenen Imitationsbereitschaft der Population. (Für den Augenblick
verzichten wir auf den Versuch, die beiden letztgenannten Faktoren zu messen.)
Stellen Sie sich ein Verhalten B vor, das von X0, einer Gruppe von
>Parteigängern< vertreten wird. Eine andere Gruppe, Y0,
vertritt Nicht-B. Der Rest entscheidet sich je nach Gusto für B oder
Nicht-B. Nach Rashevskys Modell wird das Gleichgewichts-Niveau durch das
>Zwang / lmitations<-Verhältnis (Ax X0 - Ay
Yo)/A bestimmt. Wenn dieses Verhältnis einen kritischen Wert C* übersteigt,
wird schließlich die Mehrheit der Gesellschaft B übernehmen. Wenn er unter -C*
liegt, wird die Mehrheit Nicht-B übernehmen. Wenn der Wert zwischen +/- C* fällt,
sind sowohl B als auch Nicht-B potentielle Gleichgewichte. Das heißt, die
Gesellschaft würde zu beiden Niveaus hingezogen, sein und
identische Umstände könnten
in verschiedenen Gesellschaften unterschiedliches
Verhalten hervorrufen!
Theoretisch könnte Rashevskys
Modell, bei bekannter Zahl der Parteigänger eines jeden Kandidaten sowie einer
Maßzahl für ihre Fähigkeit, an Wähler heranzukommen und sie zu beeinflussen,
den Ausgang von Wahlen vorhersagen. Vorausgesetzt natürlich, dass es sich um freie
Wahlen handelt, die jeweils nach
Erreichen des Gleichgewichts abgehalten werden! Unglücklicherweise ist
letzteres nicht immer der Fall. Das Gleichgewichts-Niveau selbst kann sich ändern,
ehe das System ihn erreicht! Das Gleichgewicht wird von den Systemparametern
bestimmt, und die Parameter selbst sind Variable.
Stellen Sie sich eine Kugel aus einem Kugellager vor, die
von einem Magneten angezogen wird. Sehr einfache Gesetze reichen aus, um ihre
Bahn zu beschreiben und den Ort vorherzusagen, an dem die Kugel zur Ruhe kommt.
Was aber, wenn der Magnet selbst sich bewegt? Die Kugelbahn ist jetzt nicht mehr
einfach. So ist es bei der kulturellen Dynamik. Üblicherweise führen kleine
Parameteränderungen zu kleinen Veränderungen im Gleichgewicht; üblicherweise,
aber nicht immer. Manchmal kann eine kleine Parameteränderung eine starke plötzliche
Veränderung im Verhalten verursachen. Dehnt man beispielsweise ein Gummiband,
so wird es zunehmend länger - bis es eine Singularität durchläuft und reißt,
ein Verhalten das durch Extrapolation seines bisherigen Wachstums absolut
unvorhersehbar ist. Auch Gesellschaften können reißen: Revolutionen, Putsche,
Modeströmungen, wirtschaftliche Booms oder Katastrophen, technologische Durchbrüche.
Plötzlicher Wandel unterbricht häufig den Weg zum Gleichgewicht (Abb. 11).

Vielleicht die dramatischsten
derartigen Veränderungen waren der Zusammenbruch gewisser Gesellschaften auf
Staatsniveau, deren komplexe Strukturen sich schnell in Feudalstaaten oder gar
Stämme vereinfachten. Der Zusammenbruch der Gesellschaften der Mayas und derer
der Ägäis waren die vollständigsten Zusammenbrüche dieser Art, aber auch die
ägyptische Gesellschaft nach der VI. Dynastie oder die griechisch-römische
Gesellschaft in Westeuropa sind bekannte Beispiele. Könnte das auch in den USA
geschehen? Es gibt auch Beispiele für ein gleichermaßen plötzliches Anwachsen
der Komplexität: beispielsweise die Bildung des sächsischen Königreiches oder
des Reiches der Zulu oder die der irokesischen Konföderation. Ein Beispiel
kleineren Maßstabs ist der Zusammenbruch der Passagiereisenbahnen in den
Gewöhnlich geben wir exogenen
Faktoren die Schuld für plötzliche Veränderungen: Barbareneinfällen,
kommunistischen Unterwanderungen, Agitatoren von außerhalb, der CIA und
dergleichen. Die Veränderung wird der Gesellschaft durch extreme Kräfte
>aufgezwungen<. Die von Rene Thom entwickelte
topologische Katastrophen-Theorie hat gezeigt, dass plötzliche Veränderungen
aus endogenen Faktoren resultieren können,
also solchen, die der Gesellschaft selbst innewohnen (vgl. lan Stewart, What
Shape is a Catastrophe?, in >Analog<, Juni 1978). Die Wurzeln plötzlicher
Veränderung liegen, wie in Rashevskys Modell des sozialen Verhaltens, in der
Tatsache begründet, dass es manchmal für dieselben Parameter zwei (oder mehr)
Gleichgewichtsniveaus gibt. Wir können uns dieses Situation vermittels einer
Katastrophen-Oberfläche< visualisieren.
Stellen Sie sich der
Einfachheit halber vor, dass es zwei Parameter gibt (die
>Kontroll-Variablen<). Diese definieren eine Ebene, die wir den Parameter-Raum
nennen wollen. (Selbst in sehr komplexen Situationen bestimmen relativ wenige
Kontroll-Variablen im wesentlichen das tatsächliche Verhalten.) Nehmen Sie
ferner an, dass es eine Zustands-Variable gibt, die durch eine Potenzfunktion
dargestellt ist und drücken Sie diese als vertikalen Abstand über der
Parameterebene aus. Für jeden Punkt im Parameterraum gibt es einen (oder
mehrere) Gleichgewichtszustand(-zustände). Die Anordnung aller
Gleichgewichtspunkte bildet eine Mannigfaltigkeit, die über dem Parameterraum
liegt. Dies ist die »Katastrophenoberfläche<. Nach Thoms Theorie gibt es
nur sieben >elementare< Oberflächen. Für zwei Kontroll-Variablen und
eine Zustands-Variable bezeichnet man diese Fläche als >Cusp< (ein Blatt
mit einer Falte). Betrachten wir zwei einfache Beispiele:
1. Zusammenbruch von Gesellschaften auf Staats-Niveau:
Der Archäologe Colin Renfrew
hat eine Cusp-Oberfläche entwickelt, die den plötzlichen Zusammenbruch der frühen
Ackerbaugesellschaften beschreibt. Die beiden Kontrollvariablen waren E, die
Energie, die jenen kulturellen Mitteln zugeteilt war, die das Beharren bei der
zentralen Macht fördern sollte, und M, die Differenz zwischen Produktivität
und Steuern. Die Zustandsvariable ist C, das >Maß der Zentralität<, ein
Maß für die Fähigkeit der Gesellschaft, Informationen zu übermitteln. Archäologisch
wird C durch ein Christaller-Gitter zentraler Orte, der Bewahrung bürokratischer
Aufzeichnungen, Fahnen und Insignien und dergleichen angezeigt. Folgen wir in
Abbildung 12 der Bahn einer typischen Gesellschaft. Eine egalitäre
Stammesgesellschaft (1) intensiviert die Produktion auf Drängen sogenannter
>großer Männer< und investiert den Überschuss in Ausprägungen
zentraler Macht. >Große Männer< werden >Häuptlinge<, später
>Könige<. Die Komplexität nimmt zu, bis es zur Bildung eines
Staatswesens kommt (3). Schließlich beeinträchtigt aber das Bevölkerungswachstum
die Produktion. Es wird immer schwieriger, die Pro-Kopf-Leistung ausreichend zu
steigern, um die Zentralbehörde zu versorgen. Die Gesellschaft gerät unter
Druck (4). Mit einer leichten Zunahme der in Zentralinstitutionen investierten
Energie (E) tritt die Gesellschaft in eine Region des Parameterraumes ein, der
als >Gabelungs-Set< bezeichnet wird. In dieser Region gibt es zwei
Gleichgewichtsniveaus, für die die soziale Effizienz maximiert wird. Freilich
sorgt die (durch Zeitverzögerung oder >Viskosität< des Systems
verursachte) Massenträgheit dafür, dass die Gesellschaft auf der oberen Falte
bleibt (6a). die (durch Zeitverzögerung oder >Viskosität< des Systems
verursachte) Massenträgheit dafür, dass die Gesellschaft auf der oberen Falte
bleibt (6a). Wenn dann die Gesellschaft den Gabelungs-Set verlässt,
verschwindet das lokale Maximum, und sie wird jetzt nur noch vom unteren Blatt
angezogen. Die Gesellschaft >fällt< über den Rand der Falte. Natürlich
ist das kein plötzlicher Sturz, aber er ist exponentiell.

Renfrew fügte anschließend noch zwei weitere Kontroll-
Variable hinzu (> Verwandtschaft und >äußere Drohung<), und erzeugte
damit die mehrdimensionale Schmetterlings-Katastrophe, deren Hyperfläche eine
Tasche enthält. Die Tasche entspricht in diesem Beispiel stabilen Häuptlingstümern,
einem Niveau sozialer Komplexität, das zwischen der Stammesorganisation und der
eines Staates liegt.
Wir haben gesehen, dass
zivilisatorische Prozesse wenigstens im Prinzip einer mathematischen Analyse und
modellhafter Betrachtung unterworfen werden können. Diese Werkzeuge der exakten
Wissenschaft scheinen also keineswegs ungeeignet zu sein, sondern erweisen sich
als erstaunlich brauchbar. Die Übersetzung zivilisatorischer Theorien in ein
rigoros überprüfbares Format -
etwas, das gewöhnlich den >weichen< Wissenschaften fehlt - könnte sich
hier als äußerst nützlich erweisen. Aber auch die ausgefeilteste Mathematik
ist steril. Wir brauchen auch eine Theorie, um sie zu stützen. Dies führt zu
den zwei Grundaxiomen, die in Teil II (Die Biologie der Geschichte) behandelt
werden.


[1] Manche
bezeichnen Bücher, die den Anspruch erheben, historische Persönlichkeiten zu
psychoanalysieren, als >Psychohistorie<, aber das ist nicht die
Wissenschaft, die wir hier meinen.
[2] Einfacher ist es natürlich, die Aufstände den Aufständischen
zuzuschreiben. Aber ebenso gut könnte man das Gewitter dem Donner zuschreiben.
[3] Der 54-jährige Kondratieff-Zyklus konnte in den
britischen Weizenpreisen bis ins Jahr 1240 v. Chr. zurückverfolgt werden. Somit
kann die Ursache ganz offensichtlich nicht auf politische Veränderungen oder
bestimmte Präsidenten zurückgeführt werden. Aber jedes Mal, wenn die
wirtschaftlichen Indikatoren nach oben oder unten springen, tun die
Wirtschaftsfachleute es ihnen gleich und liefern "Begründungen" oder,
was wesentlich wichtiger ist, Schuldzuweisungen.
[4] Regierung des türkischen Großreiches in Istanbul
[5] Bedauerlicherweise gibt es keine Garantie dafür, daß
der Krieg nicht vor Erscheinen des Stabilitätspunktes ausbricht.
[6] Entschuldigung! Ich verspreche, das nicht zu oft zu tun, denn dies ist
der Hauptgrund, weshalb sich Angehörige der >unexakten< Wissenschaften
der Vorstellung einer >exakten< Geschichtswissenschaft so widersetzen!
[7] Dieses Konzept der >zivilisatorischen Distanz< erklärt, warum ein
hoher Erdorbit immer >auf halbem Wege überallhin< im Sonnensystem ist.
Man benötigt das halbe D V, um hinzukommen!
[8] Und das kommt dem Gesetz vom umgekehrten Quadrat nahe genug, um den
Physikern unter meinen Lesern einiges Kopfzerbrechen zu bereiten!
[9] Einige von Ihnen werden sich vielleicht darüber wundern, dass ich die
Worte >attraktiv< und >New York< sozusagen im selben Atemzug
gebrauche. Aber dazu ist zu sagen, dass letzten Endes ein Schwarzes Loch auch
attraktiv ist.